Der Trainer hat das Wort

25.10.2011

 

Drei Niederlagen in Serie – einige unserer Zuschauer werden sich bereits gefragt haben, wann das zuletzt vorgekommen ist. Ich auch – ohne Antwort. Soweit ich mich erinnere, musste ich in den 4-1/2 Jahren als Trainer des SC noch nie mehr als zwei Niederlagen in Serie hinnehmen (und auch das nicht sehr häufig).

 

Grund genug, mal meine Sicht auf die letzten Wochen zu verdeutlichen – jedoch nicht weil ich der Meinung bin, dass wir in einer Krise sind. Für viele enttäuschten Zuschauer mit Sicherheit aber interessant zu erfahren.

 

Nach dem überzeugenden Derbysieg gegen Collenberg war man Anfang Oktober auf Tabellenplatz zwei mit 7 Siegen aus 8 Spielen. Für mich ein überraschend guter Saisonstart – ich hatte erwartet, dass es holpriger wird.

Man darf nicht vergessen, dass wir durch unsere Abgänge auch einiges an fussballerischem Potenzial verloren haben – denken wir zum Beispiel an Murat, der viele gute Spiele für den SC gemacht hat und letzte Saison bester Torschütze war.

Wir haben zwar mit Manu, Max und Caner auch drei Zugänge für die erste Mannschaft dazu bekommen – erfahrungsgemäß dauert es aber etwas, bis man zu 100% in der neuen Mannschaft ankommt. Vor allem bei einem so jungen Spieler wie Caner, der noch A-Jugend spielen dürfte.

 

Das alles war aber in den ersten Wochen kaum erkennbar. Nicht nur die sieben Siege aus acht Spielen, sondern auch die Vorbereitung inclusive Erreichen des Kreispokalfinales verdeutlicht, in welch guter Form wir waren und dass wir als Mannschaft sofort zueinander gefunden haben.

Leider folgen auf gute Zeiten meist auch schlechte.

 

Angefangen hat dies bei uns in Kleinheubach. In diesem Spiel hatten wir von Anfang an keinerlei Zugriff auf das Spiel. Wir haben es dem Gegner in jeder Hinsicht zu leicht gemacht:

-         schwaches Abwehrverhalten bei langen Bällen

-         keinen Zugriff auf das gegnerische Mittelfeld

-         ganz schwache Zweikampfquote

-         schlechtes Passspiel und daraus resultierend keine zwingenden eigenen Angriffe

Schlicht und einfach ein ganz schlechtes Spiel, in dem auch die absoluten Leistungsträger wie Icke und Olli keinen guten Tag erwischt haben.

Auch mich als Trainer frustriert das natürlich, da man diesen Leistungsabfall nicht verstehen kann und es leider auch keine Mittel gibt, dem entgegen zu wirken. Es gibt nun mal leider Tage, an denen nichts läuft und einen solchen hatten wir erwischt.

Verstehen kann ich jedoch, dass die Zuschauer über einen solchen Auftritt nicht begeistert sind. Der Mannschaft fehlenden Einsatz, Willen oder sogar mangelnde Einstellung vorzuwerfen halte ich jedoch für nicht richtig. Das mag von außen so ausgesehen haben – jeder, der selbst lange Jahre auf dem Platz stand, kennt mit Sicherheit aber diese Spiele: die Beine sind einfach schwerer, die Gegner schneller, der Platz schlechter, das eigene Tor größer und das gegnerische kleiner wie sonst. Man hat selbst das Gefühl so schnell zu laufen wie immer, von außen betrachtet sieht es jedoch so aus, als würde man einschlafen.

 

So einen Tag muss man einfach schnell vergessen! Als Spieler, Verantwortlicher und Zuschauer.

 

Eine Woche später zu Hause gegen Röllfeld wurde es zwar etwas besser (die meisten werden sich jetzt denken: schlechter ging es ja auch nicht mehr), eine wirklich gute Leistung sprang aber schlussendlich auch hier nicht heraus. Am Ende verlor man diesmal jedoch unglücklich, da anscheinend – ich selbst kann es nicht beurteilen – der gegnerische Stürmer beim 1:2 im Abseits stand. Aber so ist es nun mal im Fussball: in einer schlechten Phase hat man selten Glück!

Ich denke, dass in diesem Spiel auch wieder von außen erkennbar war, dass der Wille da war. Wie sagt man so schön: „Der Wille ist stark, aber das Fleisch ist schwach“.

Diese Niederlage nehme ich jedoch zu 100% auf meine Kappe. Ich habe versucht, durch Veränderungen positiv einzuwirken auf Probleme im Sturmzentrum. Wir schießen einfach zu wenig einfache Tore – jedes Tor aus dem Spiel müssen wir uns hart erarbeiten. Oder wir treffen per Standard.

Das brachte mich auf die Idee selbst nach vorne zu gehen – mit meiner Erfahrung und dem taktischen Verständnis dachte ich Vitor vorne entlasten zu können. Das ging ca. 30 Minuten ganz gut - hätte die Abstimmung zwischen uns in einer Situation in der 30sten Minute besser gepasst und Vitor hätte den Flachpass vor dem Tor erreicht, wären wir mit 2:1 in Führung gegangen, hätten das Spiel gewonnen und alle hätten gesagt „gute Idee“.

Hätte, wäre bringt uns aber nichts.

Nach dieser Situation war vorne jedoch wieder mal tote Hose (dies lag jedoch weder in diesem Spiel noch in denen davor nur an den Stürmern – da hapert es im Offensivspiel allgemein), der Versuch durch diese Umstellungen positiv einzuwirken ist also kräftig in die Hose gegangen.

Es ist schwachsinnig darüber zu diskutieren, ob es anders besser ausgegangen wäre.

Man muss als Trainer in schwierigen Situationen einfach Entscheidungen treffen: Baut man auf Kontinuität und vertraut darauf, dass das vorher nur ein (oder zwei) Ausrutscher war(en), oder versucht man etwas Neues. Was das richtige ist, weiß man (leider) immer erst danach.

 

Auch gegen Eschau war wieder ein Aufwärtstrend erkennbar – zumindest in Halbzeit eins. Wieder einmal haben wir es nicht geschafft, die Überlegenheit in Tore umzuwandeln. Lediglich ein Glückstreffer bescherte uns die 1:0 Halbzeitführung. Warum wir danach eingebrochen sind, weiß ich bisher nicht. Wieder einmal kann man nur spekulieren, wie es ausgegangen wäre, wenn der Schuss in der 55sten nicht am Pfosten, sondern im Tor landet und es 2:0 steht.

-         wäre man dann im Rest des Spiels sicherer aufgetreten und die individuellen Fehler dadurch nicht passiert

-         hätte Eschau noch einmal so zulegen können?

Natürlich kann man mit dem was danach passiert ist nicht zufrieden sein, aber im Moment ist einfach der Wurm drin.

 

Auch ich kann leider nicht beantworten, warum es so schlecht läuft.

Dass es mal schlechte Phasen gibt, habe ich bereits erwähnt. Warum aber die Mannschaft über drei Wochen so müde wirkt, ist für mich auch nicht zu beantworten. An zu hartem Training kann es nicht liegen. Ob es wirklich noch an der Vorbereitung liegt, die durch den Pokalerfolg wesentlich umfangreicher und anstrengender wurde als erwartet, bezweifle ich auch.

Aber es ist im Moment auch nicht das richtige, nach dem „warum“ zu suchen, sondern nach dem „wie“.

Wie kommen wir da wieder raus?

Ganz einfach: Zusammen!

Gefragt ist zunächst natürlich die Mannschaft und jeder einzelne Spieler.

Jeder muss sich – zusätzlich zur Kritik des Trainers - selbst hinterfragen, wie er sich verbessern kann, welche Fehler er abstellen muss, wie er der Mannschaft am besten helfen kann. Alle Spieler müssen sich im Training reinhängen. Die 14 Spieler, die auf dem Platz stehen, müssen zeigen, dass sie alles für den SC geben. Das sind die Grundvoraussetzungen – alles andere kann man nicht erzwingen.

Natürlich brauchen wir aber auch unsere Zuschauer: Ihr habt uns bisher immer fantastisch unterstützt – am meisten braucht euch die Mannschaft aber in solchen Phasen wie die momentane.

Feuert uns weiter an, auch wenn der Gegner führt oder wenn ihr unzufrieden seid, weil wir schlecht spielen.

Um Spiele zu gewinnen braucht man auch Selbstvertrauen. Ihr kennt unsere Spieler besser wie ich – viele brauchen dafür eure Unterstützung und Aufmunterung – sie müssen merken, dass ihr hinter Ihnen steht.

 

Wenn wir alle weiter zusammenhalten, müssen wir nicht mehr lange auf den nächsten Dreier warten – und danach folgt wieder eine lange gute Zeit. Hoffen wir, dass wir diesen Erfolg bereits im nächsten Spiel feiern können – das Spiel gegen den ungeschlagenen Tabellenführer könnte zu keiner besseren Zeit kommen!

 

Wie sagt Fred immer so schön: Rot und Grau ….